Steirisch g’red
Notiert am Montag, 21. April 2008 @ 16:24
Vor 10 Jahren bin ich die Strecke GW-Wbg. locker in 45 Minuten gefahren. Jetzt brauch ich auf Grund des erhöhnten LKW- und Mopedautoaufkommens und der unzähligen an allen möglichen und unmöglichen Stellen gebauten Kreisverkehre auf dieser Strecke 65 Minuten. Dass heute noch einiges an Zeit dazu kommen würde, war mir sofort klar, als mir plötzlich beim zweiten Kreisverkehr in St. M. ein kleines, graues Mandl, heftig mit beiden Händen herumwedelnd, vors Auto springt. Auf die Bremse latschen und das Fenster runterlassen, um mich abzureagieren, war eines. “Wouhi du fahren?” schallt es mir in breiter südoststeirischer, leicht bellender Tonart entgegen. Ich denk, ich werd nicht mehr und stell einmal richtig, dass man mit mir deutsch sprechen kann. “A sou, i homma denkt, mit an Wiana red i gscheita ausländisch, wal ba denna woaß ma jo nia..”
Wos ma ba denna ja nia woaß, hab ich nicht hinterfragt, denn hinter mir reichte inzwischen der Stau schon weit über den großen Kreisverkehr hinaus. Also gut, den kleinen Kreisverkehr ausfahren, die erste Straße rechts bis zur Mühle und dann über den Josefiweg weiter bis ich wieder auf die Kirchberger Straße komme. Alles klaro – erste Straße rechts, hinter mir ein Rattenschwanz von Autos und dann nach etwa 300 Metern: aus, kein schöner, neuer Asphalt mehr, nur noch Wiese und sonst gar nix. Shit, um es vornehm auszudrücken, Schayze im Original! Gibts doch nicht, erste Straße rechts hatte der kleine Alte gesagt und eine Sackgassen-Tafel hab ich auch nicht gesehen. Als ich noch überleg, aussteige und den Leuten hinter mir deute, dass es “arschling retour” bis zur ersten Hauseinfahrt zum Wenden gehe, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: “Stroßn” hat das Männlein gesagt, “Stroßn” und nicht Weg. “A Stroßn” ist etwas Breites, also zumindest eine gut ausgebaute Landesstraße und nicht ein, wenn auch top aphaltierter, breiter “Weg” durch eine neu gebaute Siedlung, der zwar auch eine Straße ist, aber auch wiederum keine aus Sicht der Eingeborenen :-)
Alles klar, die Straße, die keine ist, wieder zurück, rechts ab bis zum großen Kreisverkehr, dann rechts und nach etwa einem Kilometer gings dann wieder rechts in den Josefiweg, der zwar laut Beschilderung Josefstraße heißt aber so schmal ist, dass man, wollte man nicht mit dem ebenfalls umgeleiteten Gegenverkehr kollidieren, auf dem breiten Radweg fahren musste, aber das war auch schon wurscht – Hauptsache es ging wieder raus in die Zivilisation.
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4 Kommentare zu Steirisch g’red


Ich bin regelrecht derschossen, wenn ich wo net daham bin. Weniger von der Sprach her, als vom Weg finden. Alleine die Kreisverkehrbeschreibung macht mich ganz schwummrig.
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Die Kreisverkehre hier sind eh der blanke Wahnsinn. Die beiden in St. M. sind keine 100 m auseinander und auf dieser Strecke sind auch noch links und rechts Zufahrten zu einem Obstlagerhaus, einem Supermarkt-Zentrum, der Post, der Feuerwehr und in eine neue Wohnsiedlung – und direkt am kleinen Kreisverkehr ist die Haltestelle für die Schülerbusse.
Weiter Richtung Süden ist in G ein kleinwunziger Kreisel – blöd ist nur, dass an einer Aus-/Zufahrt eine Ziegelfabrik ist. Wenn die Sattelschlepper den Kreisel verlassen, brauchen die die ganze gegenüberliegende Fahrbahnbreite! Am besten ist der neue Kreisel kurz vor der Autobahnauffahrt Gleisdorf Ost. Der ist wieder so riesig und auf einer Seite in einen Hang hineingeschnitten, dass er nicht auf Anhieb als Kreisel erkennbar ist, sodass die Autos einfach quer über die Botanik fahren, weil sie nimmer rechtzeitig bremsen können. Jetzt wurde wenigstens eine Geschwindigkeitsbegrenzung und eine Hinweistafel montiert, aber komischerweise steckt noch immer alle Zeit lang ein dicker Brummer in den Narzissen fest :-)
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Ja, ja die Wiana! Wos ma ba denna oba nia woaß, tät mi scho intressiern.
Gut, daß Du als Steierin mit der Erklärung (Stroßn-Weg) zurechtgekommen bist. Ich als Wiana tät mi do scho schwer! Aber trotzdem: In der Steiermark waren immer alle freundlich und nett zu mir.
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Ob sie Deutsch verstehen, hat er bestimmt gemeint. Die sehr alten Leutchen da unten, vor allem wenn sie ein bisserl einfach gestrickt sind und sich grad mal im Fernsehen von 19:00 bis 19:30 das Landesstudio Steiermark ansehen, bevor sie unter die Decke kriechen, meinen es aber nicht bös.
Das ist ein ganz eigener Menschenschlag – ich habs eh schon des öfteren beschrieben: Nett, zuvorkommend und freundlich zu Gästen und untereinander, streng katholisch, bigottisch, bauernschlau – als Zugroaster hat man aber nur dann eine Chance akzeptiert zu werden, wenn man sich voll und ganz anpasst und keinen Zentimeter von ihrer Sichtweise abweicht. Das war vor 35 Jahren so, als ich, aus Graz kommend, mitten in den Südosten gezogen bin und das ist heute noch so, auch wenn es von außen nicht so aussieht.
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