Mostbrot
Notiert am Sonntag, 22. Juni 2008 @ 02:03
In früheren Zeiten haben die Bauern ihre Äcker noch ohne maschinelle Hilfe bestellen und pflegen müssen. Besondere Knochenarbeit war in der Erntezeit zu vollbringen. Nicht nur das Gras wurde per Sense gemäht, sondern auch die verschiedenen Getreidearten. Die Bauern und ihre Knechte waren von den frühen Morgenstunden an bis zum Abend gefordert, zum Essen blieb kaum Zeit. Oftmals brachten die Bäuerinnen den Schnittern um die Mittagszeit eine kalte Jause auf die Felder. Immer mit dabei waren auch ein Krug mit frischem Wasser und der Mostblutzer.
Selbst hergestellten Most gab es damals auf beinahe jedem Bauernhof. Er wurde im Herbst aus Äpfeln und Birnen gepresst, lagerte in großen Holzfässern in den Kellern und wurde zu den Mahlzeiten in Mostkrügen ins Haus geholt. Most wurde aber nicht nur getrunken. An heißen Tagen wurde er auch gerne gegessen. Wenn die Schnitter nach einem schweißtreibenden Tag auf dem Feld nach Hause kamen, hat Großmutter nach einem deftigen Essen Mostbrot auf den Tisch gestellt.
Die Zubereitung ist denkbar einfach. In einen Suppenteller wurde kalter Most – je nach Gusto pur oder mit etwas Wasser verdünnt – gefüllt, der mit Zucker nach Belieben gesüßt wurde. Dazu wurde ein Korb mit in kleine “Schifterln” geschnittenem Brot gestellt, die je nach Appetit in den gezuckerten Most zum Quellen und anschließendem genüsslichen Verzehr gegeben wurden. All jene, die jetzt sagen, das sei ein Gericht für Zahnlose, haben natürlich Recht, aber ich kann versichern, dass das Mostbrot auch Eigenzahnbestückten vortrefflich mundet. Als Reminiszenz an unsere Großeltern haben wir nämlich heute Mostbrot, allerdings mit Most aus dem Supermarkt und mit Semmelschnittchen als Einlage, gemacht.
Heutzutage kauft man Most jedoch nicht unter dem Namen “Most”, sondern unter “Obstwein”. Klingt für mich ein wenig sonderbar, aber im Prinzip ist es doch egal, welchen Namen das Kind hat, Hauptsache es schmeckt.
Der Urtaler Obstwein wird aus Äpfeln und Birnen hergestellt und ist in zwei Varianten erhältlich: “Lieblich” und als reschere Version “Trocken” mit jeweils 5 Volumsprozent Alkohol, was in etwa dem Alkoholgehalt von Bier entspricht.
Beiträge zu ähnlichen Themen:
2 Kommentare zu Mostbrot


Ha, das wusste ich nicht. Macht das nicht ein wenig rauschig? Der Most ist ja alkoholisch.
[Direkt antworten]
Na klar macht das rauschig, darum verdünnen Weicheier den Most auch mit Wasser. Mütterchen ist kein Weichei und hat die ganze Nacht richtig tief und fest geschlafen *g*
[Direkt antworten]