Einheimisch oder zuagroast? – der Eierskandal

Notiert am Dienstag, 6. Juli 2010 @ 11:32

Aus Ungarn, Polen oder doch Österreich?

Aus Ungarn, Polen oder doch Österreich?

Unterstellt mir jetzt bloß keine Fremdenfeindlichkeit, aber wenn Österreich drauf steht, muss auch Österreich drinnen sein. Das, was sich eine steirische Eier-Erzeugergenossenschaft geleistet hat, ist nicht nur dreist, sondern betrügerisch. Zwischen vier und fünf Millionen Eier aus polnischen und ungarischen Legebatterien sollen laut Kripo in den letzten zehn Monaten in Rohr bei Feldbach umetikettiert und als österreichische Eier aus Bodenhaltung über drei große Supermarkt-Ketten verkauft worden sein.

Den Gewinn haben sich die Vertriebsfirma und die dreißig Bauern der Genossenschaft redlich geteilt. Wobei die Formulierung, dass die Bäuerleins den Gewinn wissentlich oder unwissentlich eingestreift haben, schon ein bisserl absonderlich ist. So dumm kann doch der dümmste Bauer nicht sein, dass er nicht merkt, dass er für mehr Eier, als er geliefert hat, Geld bekommt beziehungsweise der Stückpreis gestiegen ist. Dem Fass den Boden schlägt allerdings die AMA aus, die von dem Ganzen nichts gewusst haben will und erst jetzt, nachdem die Machenschaften durch die Anzeige durch Mitarbeiter des Verpackungsvertriebs ans Licht gekommen ist, der Genossenschaft das Gütesiegel entzogen hat. Wie, frage ich mich, führen die ihre Kontrollen durch, wenn niemandem auffällt, dass Daumen mal Pi jeder! der dreißig Eierlieferanten zehn Monate lang pro Monat! im Schnitt 13500 (dreizehntausendfünfhundert!) Eier mehr geliefert haben müsste, als bisher. Unter dieser Prämisse dezitiert von einem Einzelfall zu sprechen, ist mehr als gewagt. Auch auf der Homepage der AMA  wird mit keinem Wort auf diesen Betrug am Konsumenten eingegangen – das sagt doch schon alles über diesen Verein! Aber wie auch immer – es gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist.

Für mich gilt jedoch ab sofort, dass ich Lebensmittel, wenn möglich, direkt beim Erzeuger meines Vertrauens oder Waren ohne AMA-Gütesiegel kaufe, denn die Qualität ist, wie es aussieht, immer die gleiche. Nur kostet sie mich ohne das für mich unglaubwürdige Pickerl wesentlich weniger.

Quelle: Wie Eier aus dem Osten steirisch wurden – Kleine Zeitung


4 Kommentare zu Einheimisch oder zuagroast? – der Eierskandal

  • barbara sagt:

    was kann man noch glauben? Ne riesen Sauerei ist das.

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    Gerlinde Antwort vom Juli 8th, 2010 22:44:

    Niemandem kann man heutzutage glauben. Traurig, aber wahr!

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  • All diese Güte- und weiß-der-Teufel-noch-Siegel verführen die Anbieter geradezu zum Betrug. Für die Siegel gibt es meist, nur eine einzige nicht allzu strenge Prüfung jährlich. Schließlich wollen die Vergabefirmen ihren zahlenden Kunden ja nicht auf die Füße treten.
    In Deutschland werden beispielsweise seit Jahren dreimal soviele Bioäpfel aus heimischen Anbau verkauft wie tatsächlich angebaut werden. Dagegen unternommen wird offenkundig nichts, denn sonst müsste sich das Verhältnis ja mal ändern. Also kaufe ich doch lieber die Äpfel beim Bauern auf dem Markt, und glaube ihm, wenn er mir verspricht, dass das Obst unbehandelt ist. Das ist mindestens so gut wie der Bio-Aufkleber.

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    Gerlinde Antwort vom Juli 8th, 2010 22:48:

    Anders kann man es eh nicht machen – wobei ich “unbehandelt” auch anzweifle. Ohne Spritzen gibt es ja kaum Erträge. Die Frage ist halt womit und wann gespritzt wird.

    Wie heißt es so schön: Normale Produzenten spritzen an Tag, Biobauern in der Nacht :-)

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